Allgemeines zu Fledermäusen

Alle 22 einheimischen Fledermausarten leben räuberisch von Insekten. Da Fledermäuse nur abends und nachts aktiv sind, besteht ihre Nahrung zum größten Teil aus Nachtfaltern, von denen viele als schädlich gelten. Fledermäuse sind daher wichtige Helfer im Kampf gegen Schädlinge. 
Fledermäuse orientieren sich nachts mit Hilfe einer Ultraschall-Peilung, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar ist. Damit finden sie sich sogar in völliger Dunkelheit noch so gut zurecht, daß sie sicher in ihre Schlafplätze ein und ausfliegen. Für den Menschen ist diese Orientierung schwer vorstellbar, deshalb haben viele Menschen ein "komisches Gefühl", wenn Fledermäuse in der Nähe sind.
Unsere Fledermäuse sind für den Menschen völlig ungefährlich: sie saugen weder Blut, noch fliegen sie in Haare. Selbst die kleinen Exkrementstückchen, die sie an ihren Hangplätzen fallen lassen, sind guter Blumendünger.
Die Quartiere
Im Sommer beziehen Fledermäuse warme Hangplätze, damit ihre nackt geborenen Jungen nicht auskühlen. Diese Hangplätze sind z.B. besonnte Baumhöhlen oder große Dachböden, beim Großen Mausohr z.B. Kirchenschiffe und Schloßdächer. In einer solchen Fledermauswochenstube können mehrere hundert Fledermäuse leben - die größte Wochenstube im Landkreis beherbergte 1995 rund 2000 Tiere!
Weil im Winter kaum Nahrung zur Verfügung steht, halten Fledermäuse einen Winterschlaf. Um Energie zu sparen, senken sie ihre Körpertemperatur von 40º auf 0º-l0ºC herab. Sie atmen auch nur noch einmal pro Minute.
In Kellern und Höhlen verhindert eine hohe Luftfeuchtigkeit ein Austrocknen der Fledermaus. Eine konstant niedrige Temperatur hilft ihr, die Körpertemperatur auf niedrige Energiesparwerte herunterzufahren. Fledermäuse verbrauchen beim Aufwachen viel Energie. Deshalb müssen ihre Überwinterungsquartiere ungestört sein

Hilfen für Fledermäuse

Bauanleitung für Fledermaushilfen

 Bauliche Maßnahmen für spaltenbewohnende Fledermausarten im Sommerquartier
fledermaus
Spaltenbewohner bevorzugen in der Regel eine frei anfliegbare Öffnung. Außerdem wollen sich die Tiere beim Abflug etwa einen Meter tief "in den Flug" werfen können. Die Öffnungen der meisten Quartiere liegen daher an senkrechten Wänden oder Überhängen von Hausfassaden bzw. großen Räumen im Dachstuhl (vgl. Abb. 6), aber auch Fugen in Steinmauern werden angenommen.
Um Fledermäusen Spaltenquartiere anzubieten, können folgende Hilfsmaßnahmen im Bereich des Dachstuhls, der Gebäudefassade und an Steinmauern vorgenommen werden (vgl. Abb.6):

  • Auf dem Dachboden werden je nach Größe des Bodenraumes ein oder mehrere "Fledermausbretter" (Abb. 2, 3) in einer Höhe von etwa 30 - 50 cm unter dem Firstbalken zwischen den Dachsparren angebracht.
    Die Innenseiten müssen stark aufgeraut - mindesteins sägerauh - sein,  damit Fledermäuse mit ihren Krallen beim Hinein und Hochklettern Halt finden können.

    bauanleitung
    Abb. 2: Anbringen von Fledermausbrettern auf einem Dachboden

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Erklärungen zu
den Linien:
Dachpappe
oder schräges
Deckbrett

Seitenleiste


Deckbrett

Grundbrett
aufgerauht
oder Nut- und
Feder-Bretter

Abb. 3: Bau von Fledermausbrettern (Maße in cm).Die angegebenen Maße sind Mindestmaße und können leicht abgeändert werden. Ausgenommen ist die Weite des Hohlraumes hinter dem Brett oder der Verschalung, die im Bereich zwischen 2 und 3,5 cm liegen sollte. Abbildung nach STUTZ & HAFFNER 1993, verändert.

An der Gebäudefassade werden - ja nach baulicher Gegebenheit - Verschalungen (="Fledermausbretter") im Giebelbereich  oder im oberen Traufbereich angebracht (Abb. 4)

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Abb. 4: Lage von Fledermausbrettern (=Verschalungen) an der Gebäudefassade im Giebel- und Traufbereich; entsprechend an Erdern usw. Als Schutz vor Zugluft und aus optischen Gründen bietet es sich an, mit Nut- und Feder-Brettern zu arbeiten. Wenn der Putz rauh ist, spielt es für Fledermäuse keine Rolle, ob die Bretter senkrecht oder Waagerecht angebracht werden.

Die Fledermausbretter können aus Nut- und Feder-Brettern hergestellt werden, die, je nach räumlicher Gegebenheit, optisch vorteilhafter sein können (Abb. 5) und außerdem gegeneinander dicht abschließen.
Bei reuhem Putz oder anderen rauhen Wandflächen kann auf die Rückwand des "Fledermausbrettes" verzichtet werden. Leistenrahmen und Deckplatte müssen jedoch fugendicht an das Haus angebracht werden, um Zugluft zu vermeiden. Die Fledermäuse können so unter das Brett kriechen.

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Abb. 5: Konstruktion von Verschalungen, die als Fledermausbretter dienen. Links Maßstab 1:10, rechts 1:3.Abb. z.T. nach STUTZ & HAFFNER 1993, verändert.

Bei Gebäuden mit flachen Dächern (Abb. 6) wird häufig eine umlaufende Aluminium- und/oder Holzverkleidung o.a. am oberen Rand der Außenwände angebracht (vgl Abb. 7). Ihr Hohlraum sollte eine lichte Weite von 2 bis 3,5 cm (entsprechend der Weite von Fledremausbrettern) aufweisen und von unten zugänglich sein.

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Erklärungen zu den Linien:


Hohlraum hinter Abschlußprofil





Holzverschalung

Abb. 6: Quartiermöglichkeiten am Flachdachgebäude

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Abb. 7: Konstruktionmöglichkeiten für Fledermäuse nutzbarer Hohlräume am Flachdach. - Nach STUTZ &HAFFNER 1993, verändert.

Bei Dächern, die weit über die Mauern hinausragen, können Dachvorsprünge Fledermäusen als Quartier angeboten werden. Die in der Regel holzverkleideten Vorsprünge bilden störungsfreie hohlräume, die nur zugänglich gemacht werden müssen. Es reicht aus, wenn in die Holzverkleidung an der wandseitigen Seite einen Öffnung von etwa 5 cm Länge und 2,5 cm Breite gesägt wird.

Auch Mauerfugen eignen isch als Versteck (Abb. 8). Mehrreihige Steinmauern, die mit einer Mindesthöhe von etwa 1,20 m geplant sind, sollen in den nach jeweils außen zeigenden Steien in einer Höhe von etwa 0,90 bis 1,10 m offene, also nicht vermörtelte, senkrechte Fugen aufweisen, die sich im Mauerinnern verzweiben.
Die Fugenbreite sollte etwa 2 bis 3 cm betragen. Die Tiefe hängt von der Größe der Steine ab, jedoch sollte sie 5 cm nicht unterschreiten. Das T-förmige Ende kann z.B. die Breite eines Steines ausmachen, dann sich aber auch über die Breite zweier Steine erstrecken. Grundsätzlic ist ein Spalt um so besser geeignet je tiefer bzw. länger er ist. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass er an den hinteren Enden dicht abschließen muß, um zugluft zu vermeiden.
Die gesammte Mauer sollte übrigens mit Kalkmörtel, nicht mir Zement gefugt werde, um den kalkliebenden Pflanzen der Mauervegetation, u.a. seltenen Farnen, eine Besiedlung zu ermöglichen.

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Abb. 8: Steinmauer mit senkrechten Fugen als Fledermausversteck. Die Fuge ist am hinteren Ende T -förmig gestaltet, indem auch hier an Mörtel ausgespart wurde. Bei tieferen Temperaturen ziehen sich Fledermäuse gern in das T-Stück zurück, bei milder Witterung sitzen sie gern dicht am Eingang.


Entnommen aus: "Nistmöglichkeiten und Quartierangebote an Gebäuden für Vögel und Fledermäuse" (Kapitel 8), herausgegeben vom Niedersächsischem Landesamt für Ökologie

Ergebnisse der Fledermausexkursionen Winterquartier "Hassberge I" 1990 bis 1996

Zählung Mitte Nov 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996
               
Fransenfledermaus 47 16 71 58 36 152 48
Zwergfledermaus   2 6 12 2 24 8
Großes Mausohr 10 15 29 33 36 38 36
Mopsfledermaus   3 6 3 1 13 4
Brauner Langohr 7 8 2 6 3 3 3
Graues Langohr     4 5   1  
Wasserfledermaus 4 1   5 7 7 8
Bechsteinfledermaus 4   2 6 3 3 3
Kleine Bartfledermaus              
Sonstige (unbestimmt)     2 1   1  
Gesamt 73 46 133 136 89 248 110