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Stadt Ebern verbietet Naturschutzaktivitäten

Auszug aus der Mitteilung der Stadt an die Presse vom 26.03.2010
:....“Aus all diesen Überlegungen und auch als Folge der erneut erkennbaren kompromisslosen Haltung des BN, möchte der Stadtrat als Beschlussorgan der Eigentümerin des BW-Geländes bis zur Klärung der Situation keine weiteren Aktivitäten der Biodiv-Initiative, des BN oder mit ihm sympathisierender Gruppierungen zulassen. Es wurde deshalb folgender Beschluss gefasst:

1. Weitere Entscheidungen des Stadtrats Ebern über eine mögliche Unterstützung des Vorhabens der Biodiv-Initiative Ebern, des Bund Naturschutzes, sowie weiterer an diesem Projekt beteiligter Gruppierungen werden bis zur Stadtratssitzung am 29. Juli 2010 vertagt.

2. Von Seiten des Stadtrats werden vorerst keine weiteren Veranstaltungen des BN Ebern oder ähnlicher Initiativen im ehemaligen Bundeswehrgelände gestattet.

3. Es werden derzeit auch keine sonstigen Maßnahmen im ehemaligen Kasernenbereich, wie z.B. Maßnahmen zum Fledermausschutz, Aufhängung von Wiedehopf-Kästen usw. zugelassen.
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Kurze Antwort des BN vom 26.03.2010:

26.03.2010 Mitteilung an die Presse zur Entscheidung des Stadtrates Ebern keine weiteren Naturschutz-Aktivitäten auf dem Bundeswehrgelände zuzulassen:

In der veröffentlichten nichtöffentlichen Beschlussfassung des Eberner Stadtrates durch  Bürgermeister Herrmann werden Darstellungen vermittelt, die zurechtgerückt werden müssen:

  • die Aussage, dass der B-Plan in allen rechtlichen Auseinandersetzungen bestätigt wurde, ist falsch; gerichtlich wurde bisher nur entschieden, dass eine BN-Klage gegen den BImSch-Bescheid für die Nutzung des ehemaligen Fahrschulgeländes für Offroadzwecke nicht zulässig ist - die Angelegenheit selbst ist bisher noch nicht geprüft, eine Entscheidung in der Sache selbst bisher auch überhaupt noch nicht getroffen worden;
  • Haushaltsmittel der Stadt sind nur deshalb durch die Stadt unnötigerweise in Anspruch genommen worden, weil die Stadt ein naturzerstörerisches Konzept mit aller Macht auf einem seit 1991 in einem Naturschutzgutachten als landesweit bedeutsam eingestuften, zu schützenden Gebiet durchsetzen wollte;
  • bei einer Verwirklichung des Rotapark-Konzeptes des Planers Reiff wäre das gesamte Gelände eingezäunt; ein normaler Eberner Bürger dürfte/könnte die wunderschöne Landschaft rund um das Käppele nicht mehr erleben; auch eine PV-Anlage wäre so nicht möglich geworden;
  • laut Entwurf der Bundesregierung zum EEG vom 23.03.2010 ist nicht gewollt, dass es durch Freiflächen-PV-Anlagen zu negativen Entwicklungen auf naturschutzfachlich wertvollen Teilen von Konversionsflächen kommt.

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Pressemitteilung des BN Ebern vom 31.03.2010:

Die Ortsgruppe Ebern des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. (BN Ebern) gibt zum Beschluss des Eberner Stadtrates vom 25.03.2010 zum Thema "Zusammenarbeit" mit der Biodiversitäts-initiative und dem BN Folgendes bekannt:

Der BN Ebern ist über diesen unerwarteten Beschluss des Stadtrates in Anbetracht der laufend geführten Gespräche verwundert und kann insbesondere das Veranstaltungsverbot im ehemaligen Bundeswehrgelände nicht nachvollziehen. Wie abwegig die Entscheidung des Stadtrates ist, darüber hinaus sogar praktische Naturschutzmaßnahmen zu untersagen, zeigt schon ein Blick in die Tagespresse: In derselben Ausgabe, in der von diesem Stadtrats-beschluss zu erfahren war, wurde berichtet, dass Landrat Handwerker eine ökologisch vorbildliche Initiative für ihr Engagement mit dem Umweltpreis des Landkreises ausgezeichnet hat. Der Eberner Stadtrat tut sich dagegen mit dem beschlossenen Verbot, Nistkästen auf dem ehemaligen Kasernengelände aufzuhängen, hervor.

Alle Maßnahmen sind kein Selbstzweck für den BN Ebern, sondern dienen zum Erhalt einer lebenswerten Zukunft von Ebern und seinen Bürgern. Die Umweltbildungsmaßnahme für Kinder und die Organisation des Wandertages zum internationalen Tag der Biodiversität erfordern einen erheblichen ehrenamtlichen Aufwand sowie Finanzmittel. Von beiden Maßnahmen würden die Eberner Bürger und teilweise auch die Eberner Geschäftswelt profitieren.

Der Bund Naturschutz Ebern hat als gesetzlich anerkannter Naturschutzverband u.a. die satzungsgemäße Aufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen vor weiterer Zerstörung zu bewahren. In diesem Zusammenhang beteiligt er sich auch an Planungsverfahren und dringt auf den Vollzug der einschlägigen Gesetze. Dies bedeutet im konkreten Fall ein klares Nein zu einer motorsportlichen Nutzung des ehemaligen Übungsplatzes, auch wenn diese sich hinter der irreführenden Bezeichnung Fahrsicherheitszentrum versteckt.

Aus rechtsstaatlicher Sicht keinesfalls hinnehmbar ist die Erwartung des Bürgermeisters, der BN solle auf die Möglichkeit der Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan "Ehemaliges Bundeswehrgelände mit Kasernenbereich" verzichten. Die Rechtswegsgarantie des Grundgesetzes steht jedem einzelnen Bürger zu; genauso wie dem BN als gesetzlich anerkanntem Naturschutzverband. Wenn die Möglichkeit einer Normenkontrollklage als ein Damoklesschwert empfunden wird, das über allen Aktivitäten der Stadt im ehemaligen Bundeswehrbereich schwebt, dann zeigt das doch nur, auf welch unsicherer rechtlicher Basis die Pläne der Stadt zu stehen scheinen. Die Voraussetzung, einen für alle Seiten tragbaren Kompromiss – zum Wohle der Stadt Ebern und ihrer FFH-Flächen – zu finden, kann und darf nicht von einer einseitigen Verzichtsvorleistung des BN auf dem ihm zustehenden Rechtsweg abhängen. Solche Versuche, Druck auszuüben, weist der BN Ebern deutlich zurück.

Der BN ist weiter der Auffassung, dass die für eine Photovoltaikanlage vorgesehene Fläche im südlichen Bereich des ehemaligen Übungsplatzgeländes aus naturschutzfachlicher Sicht so wertvoll ist, dass dort eben keine - andernorts aber sehr wünschenswerte - PV-Anlage entstehen soll. Die Meinung des amtlichen Naturschutzes kann im Einzelfall durchaus abweichend sein, ist aber für den BN nicht grundsätzlich maßgeblich. Es ist satzungsgemäße Aufgabe des BN Ebern, sich für einen umfassenden und nachhaltigen Natur- und Umweltschutz einzusetzen, wozu ganz praktisch die Bewahrung von FFH-Flächen wie dem ehemaligen Übungsplatzgelände vor einer schädlichen Überbauung oder Nutzung gehört.

Der BN Ebern wie auch die Biodiv-Initiative werden ihre Naturschutzarbeit wie auch die Pläne für ein Zentrum der Artenvielfalt auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände im Interesse Eberns weiterverfolgen, sie sind wie bisher für Gespräche mit allen Vertretern der Stadt offen.
      Die Vorstandschaft der Ortsgruppe Ebern des Bundes Naturschutz in Bayern e. V.

Gespräch Bund Naturschutz mit Stadt am 15.12.2008

Text der gemeinsamen
Pressemitteilung des Bund Naturschutz und der Stadt Ebern

über das am 15.12.2008 geführte Gespräch bei der Stadt Ebern.

Teilnehmer Bund Naturschutz

- Landesvorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger
- Dr. Kai Frobel (Arten- und Biotopschutz)
- Dr. Klaus Mandery 1. Vorsitzender BN KG Haßberge

 

Teilnehmer Stadt Ebern:

- 1. Bürgermeister Robert Herrmann
- Verwaltungsleiter Ernst Haßler

 

Gespräch mit Bundesumweltminister Gabriel

Neue Presse 28.02.2008 Artenschutz nicht lächerlich machen

Konversion | Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mahnt zur Zusammenarbeit – BN bietet Patenschaft an

Von Michael Will

Ebern – Der Besuch dauerte insgesamt nur knapp über eine Stunde, dennoch könnten alle an der Konversion Beteiligte daraus neuen Mut schöpfen, die Bemühungen für eine wirtschaftlich sinnvolle, zugleich aber auch naturverträgliche Nachnutzung des Bundeswehrgeländes samt Übungsplatz in positivem Sinne voran zu treiben. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) machte sich am Mittwochnachmittag in Ebern ein Bild von den Bemühungen der Kommune und der Umweltschützer. Und er mahnte, vor Ort zusammenzuarbeiten.
Der Minister kam gut vorbereitet ins ehemalige Offiziersheim der Bundeswehr, wo ihm 2. Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) die bisherigen Bemühungen der Stadt schilderte, den durch den Abzug der Bundeswehr erlittenen Verlust, vor allem an Arbeitsplätzen und Wirtschaftskraft, durch eine sinnvolle Nachnutzung zu kompensieren. Dabei sei man im Stadtrat zu der einheitlichen Auffassung gelangt, dass ein Fahrsicherheitszentrum dies am besten ermögliche. Jetzt sei man dabei, den Bebauungsplan zur Rechtskraft zu bringen.
Probleme gebe es bei den Bemühungen, weil in dem Gesamtareal der ehemalige Standortübungsplatz enthalten ist, der zur FFH-Fläche erklärt wurde. Trotz Abstrichen an dem Gesamtkonzept, dass auch Offroad-Nutzung vorsieht, sei vom BN-Landesverband aber eine Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof anhängig. Der BN will eine Offroad-Nutzung ausschließen, stellt sich ansonsten aber nicht gegen den Betrieb eines Fahrsicherheitszentrums.
Zentrale Frage in der ganzen Angelegenheit, so Hennemann, sei derzeit, wer das FFH-Gebiet wie pflegen soll. Dessen Erhalt sei eine existenzielle Frage für die Gesamtentwicklung des Areals. Vom Bundesumweltminister erhoffte sich der 2. Bürgermeister eine Aussage zu möglichen Unterstützungen oder Fördermöglichkeiten.

 

 

Mit am Tisch im Offiziersheim saßen neben Gabriel und örtlichen SPD-Vertretern auch Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner und Vertreter des Bundes Naturschutz Dr. Klaus Mandery, der 1. Vorsitzende der KG Haßberge sowie der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Ebern Harald Amon.

 


BN-Kreisvorsitzender Klaus Mandery machte dabei die Position des Umweltverbandes deutlich, der sich gegen eine Offroad-Nutzung ausspreche, weil dadurch gesetzlich geschützte Pflanzen und Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, zerstört würden. Der BN hatte das Areal aufwändig kartiert und dabei unter den nachgewiesenen Arten nicht nur zwölf vom Aussterben bedrohte Arten gefunden und neun, deren Verbreitungsgebiet auf Franken zusammengeschrumpft sei, sondern auch zwei Neufunde für Bayern.
Die in der FFH-Verträglichkeitsstudie festgestellte Wertigkeit des Eberner Standortübungsplatzes sei durch die Untersuchungen nicht nur bestätigt, sondern massiv unterstrichen worden. So konnten nach Manderys Worten bis jetzt 2354 Arten festgestellt werden, von denen 584 als sogenannte „relevante“ eingestuft sind, die zum Großteil auch auf der Roten Liste stehen und nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt sind.
Für den Bund Naturschutz ist der Standortübungsplatz deshalb so bedeutsam, dass Mandery am Mittwoch gegenüber von Bundesumweltminister Gabriel ein spektakuläres Angebot machte: Der BN Bayern im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bietet offiziell die Übernahme einer Patenschaft für das Gebiet an.
Das heißt, machte Mandery im Beisein von BN-Ortsvorsitzenden Harald Amon deutlich, der BN würde die Fläche als Pate übernehmen, sämtliche notwendigen Landschaftspflegemaßnahmen durchführen und dafür finanziell aufkommen. Damit, so Mandery, sei ein künftiger Eigentümer, also womöglich auch die Stadt Ebern, von sämtlichen Pflichten diesbezüglich befreit und hätte keine finanziellen Nachteile.
Mandery und seine BN-Kollegen denken dabei aber nicht nur an die Übernahme der Pflege und die daraus resultierenden Kosten. Nach ihren Vorstellungen könnte, sofern die Kommune dies bei ihren Planungen mit berücksichtige und der Bebauungsplan entsprechend gefasst würde, das Areal auch in die Umweltbildung, in die Informationsbemühungen zur Arten- und Lebensraumvielfalt und in die Naturschutzforschung eingebunden werden. Bei alledem sei – bis auf den Standortübungsplatz – eine Nutzung des restlichen Areals absolut möglich und stünde dem keinesfalls entgegen.
Gabriel, selbst zwölf Jahre im Harz in der Kommunalpolitik tätig – auch in seiner Kommune wurde ein Bundeswehrstandort geschlossen –, hörte interessiert zu und fragte, ob es nicht möglich wäre, den Übungsplatz aus einer künftigen Nachnutzung komplett heraus zu halten. Er erkannte nach eigenen Worten, dass die Zusammenarbeit zwischen Kommune und dem BN offenbar bislang nicht die beste gewesen sei.
Persönlich könne er sich als Minister natürlich nicht in Planungen einer Kommune einmischen, sagte er. Er betonte aber einerseits, dass die Nutzung der Bundeswehr durch Panzer nicht dazu geführt habe, dass kein FFH-Gebiet entstanden sei; andererseits sei schon die Frage, ob Offroad mit einer naturverträglichen Nutzung im Einklang stehe. Ein FFH-Gebiet würde eine Nutzung des Areals nicht grundsätzlich ausschließen. Das sei aber im Detail zu klären, und es komme eben auch auf die Art der Nutzung an, die wohl keinesfalls täglich und ganzjährig erfolgen könne.
Der Bundesumweltminister ließ gegenüber den SPD-Vertretern, wie auch kurz darauf im Ämtergebäude mit Vertretern des Gesamtstadtrates und des Landrats keinen Zweifel daran, dass der Standortübungsplatz ein wichtiges Naturschutzgebiet sei, das „unbedingt erhalten werden muss“. Alles andere wäre mit Europarecht nicht vereinbar.
Sigmar Gabriel appellierte an alle Beteiligten, vor Ort zusammenzuarbeiten. „Sie sind eine kleine Kommune mit 7500 Einwohnern – da wird es nicht 7500 verschiedene Interessen geben.
“ Er könne in dem Verfahren nur beraten, nicht aber Fördergelder bereitstellen. Dennoch will Gabriel für die Zusammenarbeit aller Beteiligten anbieten, Mitarbeiter des Bundesamtes für Umwelt nach Ebern zu schicken. Ziel müsse es sein, dass wertvolle Naturschutzareal zu erhalten, dennoch aber eine sinnvolle Nutzung zu ermöglichen.
Das freute auch Susanne Kastner. Sie machte deutlich, dass die Stadt Ebern bemüht sei, durch die Konversion zumindest einen gewissen Ausgleich für die durch den Abzug der Bundeswehr verloren gegangene Wirtschaftskraft zu schaffen. „Es muss etwas kommen, was die Wirtschaftskraft in Ebern stärkt“, sagte sie. Das sieht auch der Bundesumweltminister so und riet dazu, das Gebiet zu teilen – die Natur auf dem Übungsplatz zu erhalten und den Rest wirtschaftlich zu nutzen. „Am Schutzstatus des FFH-Gebietes wird sich nichts ändern“, versicherte er. Ob die Konversion gelinge, werde sich daran entscheiden, ob die ganze Kommune und die Bürger hinter einem Projekt stünden.
Nach dem etwa halbstündigen Gespräch fuhr Gabriel weiter ins Ämtergebäude, traf dort Bürgermeister Robert Herrmann (CSU), Landrat Rudolf Handwerker sowie Vertreter aus der Kommunalpolitik und trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Bei dem ebenfalls knapp halbstündigen Gespräch erläuterte Herrmann die Wichtigkeit der Konversion für die Stadt und den durch den Abzug der Bundeswehr entstandenen Verlust von rund 200 zivilen Arbeitsplätzen. Die Frage sei, so Herrmann, ob es darum ginge, die Gelbbauchunken-Population auf dem Gelände grundsätzlich zu erhalten oder ob tatsächlich jedes einzelne Individuum vor dem Tod geschützt werden müsse.
Derzeit denke die Stadt darüber nach, so der Bürgermeister, ob sie das Gesamtareal als Zwischenlösung ankaufe und dann nach und nach einzelne Module wieder verkaufe. Denn eine EU-weite Ausschreibung, wie sie wohl sonst erfolgen müsste, mache die Bemühungen noch komplizierter und sei eine weitere Hürde.
Auch gegenüber Bürgermeister Robert Herrmann erklärte der Umweltminister, dass ein FFH-Gebiet eine wirtschaftliche Nutzung nicht grundsätzlich ausschließe und dass dies auch der BN akzeptiere. Er riet nochmals zur Zusammenarbeit.
Gleichfalls mahnte der Minister den Bürgermeister und die Stadträte davor , das Bemühen zum Schutz der Gelbbauchunken und anderer Kleinlebewesen ins Lächerliche zu ziehen. Er erkenne seitens der Kommunalpolitiker, so Gabriel, in der Diskussion einen „Unterton gegen die Gelbbauchunke“. Das gefiel dem Umweltminister gar nicht.
„Nicht nur große Tiere, wie in Afrika die Löwen, sind wichtig.“ Auch kleine Tiere hätten bedeutenden Anteil am Ökosystem. „Unsere Löwen hier sind halt kleiner“, versuchte Gabriel den notwendigen Schutz der Gelbbauchunken und anderer Tiere auf dem Eberner Übungsplatz deutlich zu machen. „Wir müssen bewahren und schützen, was bei uns vorhanden ist.“ Den politischen Entscheidungsträgern vor Ort schrieb er ins Stammbuch, trotz wirtschaftlichen Drucks den Artenschutz Ernst zu nehmen

Begehungen auf dem ehemaligen Bw-Übungsplatz

Die zweite Bundeswehr-Übungsplatz-Begehung des Bund Naturschutz Ebern führte die Teilnehmer am 02. Juli 2006 von Westen her in das Gelände. Der 1. Vorsitzende des BN Ebern Harald Amon begrüßte zu der naturkundlichen Wanderung über 25 Erwachsene und Kinder.

Entlang des Weges zum ehemaligen Bundeswehr-Fahrschulgeländes konnten schon eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten erkundet werden, welche zum Teil im Raum Ebern nur noch auf diesem Gebiet anzutreffen sind. Großflächig blühten u.a. das gelbe Johanniskraut, das rosa Tausendgüldenkraut und der gelbe Steinklee. Auf ihnen tummelten sich die Insektenarten Blutströpfchen, Schillerfalter und Steinhummel.

Die Teilnehmer stellten auch fest, dass gegenüber der Begehung vor zwei Wochen schon wieder viele Veränderungen in der Natur erfolgt sind. Viele Pflanzen- und Tierarten sind im Jahresablauf nur zu bestimmten - teilweise sehr kurzen Zeitabschnitten - sichtbar. Manche Orchideenarten blühen auch nur jedes zweite Jahr. Die vollständige Wertigkeit eines Gebietes ist daher nur über einen längeren Untersuchungs-Zeitraum feststellbar.

Im Fahrschulgelände beobachteten die Teilnehmer die nach Anhang II der FFH-Richtlinie zu schützenden Tierarten wie die Gelbbauchunke und die Schmetterlingsarten der verschiedenen Ameisenbläulinge. Dr. Klaus Mandery wies an dieser Stelle darauf hin, dass das Vorhandensein dieser seltenen Tierarten einen Hinweis auf das Vorkommen einer Vielzahl weiterer wertvoller Tier- und Pflanzenarten in diesem Gebiet geben. Ein vom BN vorgeschlagener "Tag der Artenvielfalt" in diesem Gebiet würde mit Sicherheit erfolgversprechend sein. Nur bei einer sorgfältigen Betrachtung der Beziehungen der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten kann man die Folgen von Eingriffen in die Natur abschätzen.

Nachdem das Interesse der teilnehmenden Bevölkerung weiterhin sehr groß ist, wird der BN für den 16. Juli eine weitere naturkundliche Wanderung auf dem Übungsplatz anbieten.

Wie bereits zu Bundeswehrzeiten machte der Bund Naturschutz Ebern am vergangenen Sonntag, dem 18. JUni 2006, wieder eine Begehung auf dem Gelände des ehemaligen Übungsplatzes westlich der Kaserne. Die über 20 teilnehmenden BN-Mitglieder und Gäste der Begehung begrüßte der 2. Vorsitzende des BN Ebern Alexander Hippeli.

Die Wanderung führte auf dem ehemaligen Wallfahrtsweg zum Käppelle und in den südlich angrenzenden Bereich. Entlang des Weges entdeckten die Teilnehmer in den mageren Flachland-Mähwiesen, welche ein wertvoller Lebensraumtyp nach der FFH-Richtlinie sind, ein großes Spektrum von Pflanzenarten. Diese Pflanzen haben sich an die 2-malige Mahd, einmal nach dem 10. Juni und dann im Herbst angepasst. Die Bundeswehr hat diese Flächen ohne Gift- und Düngemitteleinsatz bewirtschaftet.

Im weiteren Verlauf der Wanderung konnten die Teilnehmer im Wald-Bereich neben einer Vielzahl anderer Pflanzenarten die Nestwurz-Orchidee, Frühlings-Platterbse und wunderschöne Türkenbundlilien bewundern. Die gefundene Stendelwurz-Orchidee wartet noch auf ihre Blütezeit.

Der Bereich unmittelbar südlich des Käppelles ist ein weiterer FFH-Lebensraumtyp. Es handelt sich dabei um eine wärmeliebende Saumgesellschaft mit Wald und vorgelagertem Magerrasen. Dort zeigte sich die schon fast verblühte Schönheit der Purpur-Knabenkraut-Orchideen. Bienen und Schmetterlinge umschwärmten die dort befindlichen Exemplare der sehr seltenen „Apfel-Rose“ und des gelben Färber-Ginsters. Einige der dort entdeckten Tier- und Pflanzenarten sind sogenannte „Charakterarten“. Aus dem Vorkommen dieser Arten kann auf die ökologische Wertigkeit der Flächen geschlossen werden.

Auf dem weiteren Weg der Wanderung konnten die Teilnehmer im Lebensraumtyp „Salbei-Glatthaferwiese“ und entlang der Schotterstraßen größere Ansammlungen der herrlichen „Apfel-Rose“ bewundern.

Nachdem sich ein Teil der Naturschönheiten in den nächsten Wochen in veränderter Form zeigen wird, wünschten sich alle Teilnehmer eine weitere Begehung, welche voraussichtlich am 02. Juli stattfinden wird.

Der Eberner "Kreuzberg" ist immer (noch) einen Besuch wert.

Viel wird gesprochen und geschrieben über die künftige Nutzung des ehemaligen Standortübungsplatzes der Bundeswehr und fast jeder hat eine Meinung dazu. Tatsächlich besucht haben den Buckel zwischen der Preppach und dem Hinterbach aber erstaunlich wenige. Dabei hat er zu jeder Jahreszeit viel zu bieten und immer einen anderen Charakter. Und er vereinigt urfränkische Landschaften auf ein paar Quadratkilometer. 

 

Wenn man an einem schönen Apriltag vom Hinterbach zur Kapelle St. Barbara hinaufsteigt, ist es wie eine Wanderung in einer längst vergangenen Zeit. Die Strassen sind noch geschottert, kein Auto fährt vorbei, Lerchen stehen in der Luft. Und dreht man sich unterhalb der Kapelle um nach dem Anstieg, um ein bisschen zu verschnaufen, kann man den Blick schweifen lassen. Von den Hasswaldbuckeln in den Hinterbachgrund, von Reutersbrunn über  Eichelberg und Heubach hinaus in's Baunachtal. Und ganz in der Ferne, hinter Gräfenholz, über dem Greinberg, bildet die graue Linie des Fränkischen Jura den Horizont. Man könnte in der Rhön sein, dem Land der offenen Fernen.

Es ist schon warm, der Duft von Fichtennadeln liegt in der Luft und Bussarde kreisen darüber im Blau. Die Bäume, in denen die Meisen turnen, haben sich schon einen feinen Hauch von Grün zugelegt. Drei Rehe  flüchten hangaufwärts, ein Feldhase hoppelt gemächlich über das Gelände. Bei Reutersbrunn tuckert ein Bulldogg über den Feldweg,  später bimmelt das Mittagsglöcklein von Eichelberg herüber, dann ist wieder Stille. Nur eine dicke Hummel brummelt noch über das sonnenwarme Laub. So tief ruht die Landschaft rundum in ihrem fränkischen Frieden, dass unwillkürlich ein Verlangen nach Kellerbier und Ziebeleskäs aufkommt.

 Ein paar taktische Zeichen, die an ihren Pfosten verwittern, erinnern daran, dass die schwitzenden 101er und 103er Panzergrenadiere diesen Südhang nicht so wohlwollend kommentiert haben dürften. Und auch das  Panzeraufklärungs-Bataillon 12 hat wohl, auftragsbedingt, das Gelände mit anderen Augen betrachtet. Wobei erwähnt werden muss, dass der langjährige Standortkommandant Oberstleutnant Demandt sehr wohl ein Auge hatte für die Vielfalt der Flora und Fauna auf seinem Übungsplatz. Jetzt im April jedoch ist von Unken und Orchideen noch nichts zu sehen. Aber die Zeichen der ganz neuen Zeit sind schon erkennbar, grosse Heuballen, mit Plastikbändern des Reifenherstellers Vredestein geschmückt, verrotten am Wegesrand, und auch Jeep spannt bereits seine bedruckten Bänder von Baum zu Baum.

Ein Rundblick von der St. Barbarakapelle ist nicht mehr möglich, selbst die noch kahlen Bäume und Sträucher sind schon so hoch gewachsen, dass sie nur den Blick auf kleine Abschnitte der Eberner Skyline gewähren. Auch der ursprüngliche Aufgang von Sandhof durch den Wald existiert nicht mehr. Man kann den  einstigen Wallfahrerweg noch anhand von Steinstufen, die unterhalb der Kapelle aus dem Laub ragen, erahnen. Geht man weiter bergab verliert sich der Weg zwischen Sträuchern und Jungwald. Die Wallfahrer der letzten Jahrzehnte zogen auf den ausgebauten Schotterwegen des Truppenübungsplatzes zur Kapelle hinauf.

Einen Monat und eine Woche später gehen wir von Unterpreppach aus, über die Leite an der Nordseite des Kreuzbergs hinauf. Die Natur ist ganz aufgewacht im Mai. Blühende Kastanien überschatten die alten Felsenkeller  an der rechten Wegseite, wo die alten Preppacher ihren Most holten. Links zieht sich das Wiesental, dessen Streuobstwiese langsam zuwächst und bald in Wald übergeht. Ist man erst oben auf der Kuppe  zwischen Reutersbrunn und Unterpreppach kommt einem unwillkürlich der Spessart in den Sinn: Überwiegend Laubbaumbestand, knorrige Eichen, eingeschnittene Waldtäler, Spechte hämmern. Es wäre natürlich vermessen, die idyllische Hütte mit See am Einsiedlerbrünnlein, mit Schloss Mespelbrunn zu vergleichen, dennoch war es auch, wie die ambulanten Klohäuschen zeigen die in dezenter Distanz, zwischen hygienischer Erfordernis und gebotener Erreichbarkeit, stehen, zuzeiten von einer speziellen Art von Touristen besucht.

Auch die Einheimischen sind jetzt da. Unbeteiligt und ganz entspannt, als ginge sie das alles nichts an, liegen die Gelbbauchunken in den sonnengewärmten, flachen Rändern der Schlammpfützen, die vor langer Zeit von den Panzerketten gegraben wurden. Drei Gelbbauchunken im Wellnessbad, Kopf und Vorderbeine auf der Schlammbank, die Hinterbeine locker nach hinten gestreckt. Dank ihres graubraunen Rückens sind sie vor dem schlammigen Untergrund kaum auszumachen. Den gelb und blaugrau gemusterten Bauch sehen in erster Linie hungrige Fressfeinde und neugierige Naturbeobachter, denn bei Gefahr dreht sich die Unke schnell auf den Rücken und zeigt durch die leuchtendenWarnfarben “Vorsicht, giftig!” Wenn sie dennoch geschnappt wird, scheidet sie ein Hautsekret aus, das beim Angreifer einen Würg- und Brechreiz auslöst. Die bunte Musterung des Bauches, die an eine psychedelische Vision erinnert, ist für die Gelbbauchunke so individuell wie der Abdruck seines Fingers für den Menschen. Zur Zählung und Identifizierung der einzelnen Tiere werden daher ihre Bauchseiten fotografiert und katalogisiert. Es ist zu sehen, dass ein gutes Dutzend flacher Gruben ausgehoben wurde, und einige sind und waren mit Wasser gefüllt. Ob eine Mulde, mit Wasser aus dem Tankwagen gefüllt, einmal zu einem Biotop wird für die Gelbbauchunke, die immerhin in der Kategorie der stark gefährdeten Tiere gelistet ist, bleibt abzuwarten. Das Wort Unke entstand lt. Duden aus dem mittelhochdeutschen Wort ucha, die Kröte  und dem lateinischen angius, die Schlange. Beide hatten damals wegen ihres Rufes als Hexenbeiwerk wenig Sympathien. Das Verb unken umschreibt der Duden übrigens mit “unter dauerndem Gejammer Unheil verkünden”.

Mehr Sympathie wird gemeinhin dem Knabenkraut entgegengebracht. An den warmen Südseiten auf den Trockenrasenhängen unterhalb der Kapelle zeigen sich die ersten Exemplare dieser einheimischen Orchidee. Das Gefleckte Knabenkraut ist streng geschützt, darf weder gepflückt, noch ausgegraben oder gehandelt werden. Eigentlich kommt diese Orchidee überall zurecht, im Flachland und in den Mittelgebirgen, auf kalkhaltigen wie sauren Böden, in sonnigen und schattigen Lagen, auf Wiesen, am Waldrand und im Moor. Sie hat nur einen Anspruch: Der Boden muss nährstoffarm sein – und der ist äusserst selten in unserer Kulturlandschaft. Die ungedüngten Hänge sind ein letztes Rückzugsgebiet.

Schmetterlinge waren nur wenige zu sehen, und dem mittlerweile rundum bekannten Ameisenkopf-Bläuling war es noch zu früh im Jahr, er fliegt lieber im Sommer. Und auch dann ist das Gebiet am Eberner Kreuzberg wieder einen Besuch wert.

Viel Zeit jedoch bleibt nicht mehr dazu, denn, wie die Planer unken, soll das Areal komplett eingezäunt werden. Dann kostet der Besuch bei Knabenkraut, Gelbbauchunke, Bläuling, Mini-Rhön und Klein-Mespelbrunn Eintritt. Wenn es noch was zu besuchen gibt.

Bericht von Reinhard L. Häpp

 

Pressemitteilung vom 21.07.2006

Pressemitteilung vom 21.Juli 2006

Mit diesem Schritt wahrt der Bund Naturschutz die einmonatige Klagefrist gegen den Bescheid des Landratsamtes Haßberge vom 16. Juni, durch den dem Betreiber die Nutzung des wertvollen Gebietes, das unter dem Schutz der Europäischen Flora-Fauna-Habitat-(FFH-)Richtlinie steht, zum Befahren durch Off-Road-Fahrzeuge genehmigt wird.

Der Bund Naturschutz ist allerdings bereit, die Klage zurückzuziehen, wenn der Betreiber sein Nutzungskonzept verändert und das Kern- und Herzstück des FFH-Gebietes, in dem unter anderem die streng geschützte Gelbbauchunke lebt, vom Befahren durch Off-Road-Fahrzeuge und Geländemotorräder freihält.
Für diesen Fall könnte der Bund Naturschutz eine derartige Nutzung in einem Randbereich des FFH-Gebietes tolerieren. Die etwaige Lage dieses Randbereiches, in dem nach weiterer Prüfung eine entsprechende Nutzung stattfinden könnte, ist in der beigefügten Karte dargestellt.

Der BN schlägt daher vor, dass sich Betreiber, Genehmigungsbehörde und der BN alsbald zusammensetzen und eine derartige Lösungsmöglichkeit erkunden.

"Derartige Gespräche können bereits in der nächsten Woche stattfinden", erklärte der Landesgeschäftsführer des Bundes Naturschutz in Bayern e. V., Peter Rottner. Der gelernte Verwaltungsjurist würde gerne ein längeres Klageverfahren vermeiden und hofft auf eine tragfähige Kompromisslösung mit den Behörden und den Betreibern.

Sollte diese nicht möglich sein, sieht er aber für den BN gute Möglichkeiten im Rahmen einer naturschutzrechtlichen Verbandsklage das FFH-Gebiet vor der Zerstörung bewahren zu können.

Pressemitteilung vom 18.04.2006

Pressemitteilung des BN Haßberge und BN Ebern
vom 18. April 2006

 Bund Naturschutz unterstützt die Stadt Ebern bei ihren Bemühungen für eine erfolgreiche Konversion, sieht sich aber in seiner Einschätzung bestätigt, dass die Naturschutzbelange nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Das Monatstreffen des Bundes Naturschutz in Ebern fand wie angekündigt im Anschluss an die öffentliche Stadtratssitzung zur Konversion der militärischen Liegenschaften (Kaserne und Standortübungsplatz) statt.
Der Bund Naturschutz unterstrich dabei noch einmal seine grundsätzlich unterstützende Haltung hinsichtlich einer Erfolg versprechenden Konversion. So wurden die Planungen begrüßt 42 der 48 Kasernengebäude zu erhalten und zu nutzen sowie mehr als 150 Arbeitsplätze mittels eines Fahrsicherheitszentrums neu zu schaffen.
Die Naturschützer waren sich aber ebenso einig, dass alle hinsichtlich der FFH-Verträglichkeit der Planungen geäußerten Bedenken auch weiterhin voll zutreffen. So wurde vor allem die Enttäuschung laut, dass aus dem ursprünglichen Planungsansatz Natur & Technik oder auch Technik & Natur nichts als Technik übrig geblieben sei. Die Natur des Übungsplatzes muss als Kulisse und Staffage herhalten für ein hundertprozentig auf motorisierte Landschaftsnutzung ausgelegtes Konzept. 
Die aufgrund der Intervention des Bundes Naturschutz bereits angedeuteten Verbesserungen hinsichtlich Ersatzlaichgewässer und begleitendem Monitoring der Gelbbauchunke konnten auch bei den Ausführungen in der Stadtratssitzung in keiner Weise konkretisiert werden. Dagegen wurde das vom Bund Naturschutz als großräumiges Ausgleichsbiotop ins Auge gefasste Gelände südlich des Fahrschulgeländes in der Veranstaltung als völlig überplante Sandbahn dargestellt. Damit kann seitens der Planer auch kein Ausgleichsbiotop geeigneter Größe angeboten werden.
Die Überplanung aller Freiflächen, wie sie in der Präsentation vorgestellt wurde, läuft dem Charakter des FFH-Schutzes durch die Europäische Union – dieser steht im Rang höher als ein Naturschutzgebiet – völlig entgegen. Es kann bis jetzt auch nicht ansatzweise erkannt werden, wie bei dieser Planung die Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden sollen.
Der Bund Naturschutz sieht sich daher zunächst in seiner Haltung bestätigt. Er wird bei den anstehenden Beteiligungen auf die Notwendigkeit wesentlicher Verbesserungen hinzuweisen. Die vorgestellten Planungen können nur realisiert werden, wenn die Naturschutzbelange erheblich stärker berücksichtigt werden.

Pressemitteilung BN vom 06.03.2006

Pressemitteilung Bund Naturschutz 06.03.2006


Der Bund Naturschutz (BN) will mit dieser weiteren Pressemitteilung klarstellen, dass er nicht gegen die Interessen der Stadt Ebern arbeitet!
Durch gravierende Änderungen im derzeit laufenden Genehmigungsverfahren gegenüber den bisher bekannten Planungen, sieht es der BN als seine Pflicht als Naturschutzverband an, Bedenken zu äußern. Diese Bedenken berühren nicht die Nutzungen innerhalb der umzäunten ehemaligen Kaserne und des unmittelbaren Umfeldes, wie zum Beispiel die Einrichtung eines Fahrsicherheitszentrums.
Der BN setzt sich weiterhin für eine naturverträgliche Nachnutzung aller militärischen Liegenschaften in Ebern ein!
Zunächst einmal sei etwas Generelles erklärt: Der Bund Naturschutz will und kann nicht gegen eine Konversion sein, da Konversion die Überführung aus militärischer in zivile Nutzung bedeutet. Dies ist zwangsläufig der Fall, wenn eine Liegenschaft nicht mehr für militärische Zwecke benötigt wird. Die Bemühungen seitens des Stadtrates und des Bürgermeisters im Zusammenhang mit dieser Konversion wurden in der Vergangenheit sowie auch in der vorangegangen Pressemitteilung ausdrücklich anerkannt.
Leider wurde bereits beim ersten Workshop im Februar 2004, der eigentlich eine Ideensammlung zum Ziel hatte, durch eine Präsentation deutlich, in welche Richtung die Weichen gestellt werden sollten. Die von Anfang an erkennbare Offroad-Lastigkeit wurde vom BN „mit erheblichen Bauchschmerzen" mitgetragen, da man eine naturverträgliche Offroad-Variante in Zusammenhang mit anderen Nutzungen für möglich hielt und der BN die Notwendigkeit der Schaffung einer Zukunftsperspektive für Ebern anerkannte. Der BN hatte aber auch gegenüber den Verantwortlichen deutlich gemacht, dass er die anlaufenden Verfahren kritisch beleuchten und zu gegebener Zeit Stellung beziehen würde. Durch die im derzeit laufenden Genehmigungsverfahren getroffenen Änderungen gegenüber den bisherigen Detailplanungen  sah sich der BN nun jedoch gezwungen zu äußern.
Die Gründe dafür sind folgende:
In der Öffentlichkeit wird verbreitet, dass alleine die geplante Offroad-Nutzung die Lebensbedingungen für die Gelbbauchunke gewährleisten würde. Auch wird mit den erheblichen Kosten argumentiert, wenn der Gelbbauchunken-Lebensraum gepflegt werden müsste. Die Erfahrungen mit anderen Gelbbauchunken-Populationen zeigen, dass ein paar Baggerstunden alle paar Jahre ausreichend sind den Lebensraum zu erhalten.
Ferner wird ausgeführt, dass den Gutachten zufolge der Gelbbauchunke durch ein Dual-Track-Befahrungssystem am besten geholfen sei. Dual-Track bedeutet, dass nebeneinander liegende Fahrspuren in aufeinander folgenden Jahren abwechselnd befahren werden. Fachleute versichern dagegen einmütig, dass das Befahren jeder zweiten Spur die Tiere der ersten Spur gleichermaßen gefährdet, da diese entweder als erwachsene Tiere nach einem Regen den Laichplatz wechseln (Gelbbauchunken laichen mehrmals in einer Saison) oder als Jungtiere sich einfach in die befahrenen Spuren ausbreiten. Wer sagt den Amphibien wo sie sich zu welcher Zeit aufhalten dürfen?
Der BN konnte nach dem bisherigen Ergebnis der vorbereitenden Untersuchungen durch das Planungsbüro Conradi davon ausgehen, dass die Befahrungsbereiche großräumig von Jahr zu Jahr gewechselt werden. Dies wäre möglich gewesen, wenn wie bisher geplant, südlich des Fahrschulgeländes ein zweiter Bereich dafür hergerichtet worden wäre. Durch das nun überraschenderweise geplante Dual-Track-System ist das Überleben der Gelbbauchunke nicht mehr sichergestellt.
Die momentanen Offroad-Planungen im Übungsplatz konzentrieren sich leider ausschließlich auf den waldnahen Gelbbauchunken-Lebensraum. Auf viele andere Bereiche hätte ausgewichen werden können. Gegen eine Nutzung der ehemaligen Kaserne mit den Gebäuden und baulichen Anlagen sowie der angrenzenden weniger wertvollen Bereiche hat der BN keinerlei Einwände. Dort wäre eine entsprechende Nutzung uneingeschränkt möglich.
Warum sollen die wertvollen Teile des ehemaligen Übungsplatzes Naturschutzgebiet werden? Die von verschiedenen Experten erstellten naturschutzfachlichen Gutachten kamen zum gleichlautenden Urteil, dass Teile des Übungsplatzes die Schutzwürdigkeit im Range eines Naturschutzgebietes besitzen. Zur Erklärung der allgemein hohen naturschutzfachlichen Bedeutung militärischer Übungsplätze muss die Agrarlandschaft herhalten. In ihr sind wegen der fortgesetzten Ausbringung von Spritzmitteln und der Überdüngung viele Tier- und Pflanzenarten ausgestorben. In militärischen Übungsplätzen konnten die gefährdeten Arten wegen des dort fehlenden Pestizideintrags überleben. Militärische Übungsplätze sind Rückzugsräume mit besonderer Ausstattung.
Andernorts macht selbst die bayerische Staatsregierung mit ihrer Haltung zur Schaffung von Naturschutzgebieten auf ehemaligen Standortübungsplätzen Werbung, wie z.B. in Landshut. Bezüglich des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr denkt man gar über die Schaffung eines Nationalparks nach, wenn die Amerikaner einmal die Nutzung aufgeben werden. Naturschutz auf Teilen des Eberner Übungsplatzes wäre absolut nichts Außergewöhnliches!

Pressemitteilung BN vom 23.02.20006

Bund Naturschutz Haßberge
Bund Naturschutz Ebern
Naturschutz für den ehemaligen Standortübungsplatz Ebern!
Pressemitteilung vom 23.02.2006


Der Bund Naturschutz wendet sich mit dieser Presseerklärung an die Öffentlichkeit, um der allgemeinen Verunsicherung der um das Wohl Eberns bemühten Bürger Ausdruck zu verleihen.
Der Bund Naturschutz ist zutiefst besorgt, dass seitens der Stadtführung Personen, die sich unter der Konversion der militärischen Liegenschaften in Ebern etwas anderes als eine Off-Road-Nutzung vorgestellt haben, als Gegner Eberns abgestempelt werden.
Wenn das Alleinstellungsmerkmal unserer Gegend – die noch weitgehend intakte naturnahe Kulturlandschaft – durch ein neues Alleinstellungsmerkmal "Off-Road-Park" ersetzt wird, verspielt Ebern langfristig sein Potenzial. Im Naturpark Hassberge finden sich immer mehr "Qualitätstouristen" ein, die aufgrund des Naturpotenzials unsere Heimat aufsuchen. Sie lassen in der Regel auch mehr Geld in der Region als die relativ jugendlichen Off-Road-Fahrer. So seien aus ökonomischer Sicht ebensolche Zweifel angemeldet wie aus ökologischer Sicht.
Alle Eberner Bürger kennen den Orchideenreichtum unterhalb des Käppele. Für viele ist die Wallfahrt zum Käppele alljährliche Gelegenheit sich auch über die Naturschöpfungen zu freuen. Seit 1991 ist der Bund Naturschutz mit dem ehemaligen Standortübungsplatz Ebern befasst. Seit der Zeit des Kommandeurs Oberstleutnant Demandt wird auf die reichhaltige Schmetterlingsfauna hingewiesen. Vogel- und Insektenwelt wurden ebenso eingehend erfasst wie die Pflanzen. Im Rahmen zahlreicher, von verschiedenen Seiten durchgeführter naturschutzfachlicher Begutachtungen wurde dem ehemaligen Übungsplatz der Wert eines Naturschutzgebietes nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz zuerkannt.
Im Laufe der Jahre wurde die Bedrohung der Ameisenbläulinge und der Gelbbauchunke in Deutschland so massiv, dass diese Arten im Zusammenhang mit der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) einen besonderen Schutzstatus erhielten. Ihre Vorkommen im ehemaligen Übungsplatz bekamen dadurch eine noch höhere Gewichtung als alle anderen nachgewiesenen Arten. Die logische Konsequenz war die Deklaration der Übungsplatz-Flächen als FFH-Gebiet. Die Vorgaben der Europäischen Union gründen auf der Einsicht, dass bei weiter anhaltendem massivem Flächenverbrauch höchste Anstrengungen unternommen werden müssen repräsentative Lebensraumtypen und zusammenhängende naturnahe Landschaftselemente in einem Nationalen Naturerbe aufzuführen. Die Überwindung der innerdeutschen Teilung ermöglichte die Etablierung des Grünen Bandes auf den ehemaligen Grenzflächen. Die veränderte militärische Strategie setzte darüber hinaus ehemalige Übungsplatzflächen frei, die landauf landab zu den wertvollsten Lebensräumen unserer ansonsten agrarisch geprägten Landschaft zählen. Die Aufnahme auch dieser Flächen in das Nationale Naturerbe ist abermals eine logische Konsequenz.
Die Bemühungen um eine sinnvolle und für Ebern Gewinn bringende Konversion des Übungsplatz-Areals und der Kaserne werden auch seitens des Bundes Naturschutz anerkannt. Seitens dieser Organisation wurden ebenfalls Gedanken entwickelt, die auch in Zusammenhang mit der geplanten Nachnutzung des Forsthauses gesehen werden. Die Fokussierung auf den Off-Road-Betrieb und die Verteufelung Andersdenkender sind aber Entwicklungen, die der Bund Naturschutz nicht mehr mittragen kann und denen er sich hiermit widersetzt.

In einem Brief an den Landrat vom 13.2., den Bürgermeister und die Regierung wurde folgendes zum Ausdruck gebracht:
· Der Bund Naturschutz hat sich bisher stets zurückgehalten, da er die Nachnutzungsverhandlungen zur Kaserne und zum Übungsplatzgelände nicht behindern wollte.
· Diese Nachnutzung wäre in unseren Augen besser auf dem Sektor des naturverträglichen Tourismus und der Umweltbildung angesiedelt als im geplanten Off-Road-Bereich.
· Die Presse diskutiert zurzeit einerseits die Naturschutzwürdigkeit des Areals, andererseits werden Aussagen aus dem IVL-Gutachten der Öffentlichkeit präsentiert, die unsere Zustimmung nicht finden.
· So ist die geplante Off-Road-Nutzung ist nicht ohne weiteres mit der früheren militärischen Nutzung vergleichbar, eine vereinzelt höhere Nutzungsintensität wird ja bereits im Antrag nicht ausgeschlossen.
· Die ganzjährige Befahrung der wichtigen Gelbbauchunken-Fortpflanzungslebensräume (insbesondere im Fahrschulgelände und in den Fahrspuren am Waldrand) und die große Zahl von Veranstaltungen, die sicher bevorzugt im Sommer stattfinden werden, stellen möglicherweise eine hohe Gefährdung für die Population dar.
· Der Fahrbetrieb nach dem Dual-Track-System erscheint nicht geeignet, die Gefährdung entscheidend zu reduzieren,
· weil durch die räumliche Nähe der jeweiligen "Ruhezonen" und der Fahrstrecken Verstöße gegen die Befahrungsregeln nicht sicher auszuschließen sind,
· weil die Tiere während der Fortpflanzungszeit zwischen den Gewässern wechseln und dadurch auch in den Fahrbereich gelangen werden, wo sie einem hohen Risiko durch Überfahren ausgesetzt wären,
· weil insbesondere die Jungtiere am Ende ihrer Entwicklung von den Gewässern abwandern und sich flächig über das Areal und natürlich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die befahrenen Bereiche verteilen werden, was einen starken negativen Effekt auf die Populationsentwicklung durch Überfahren von zahlreichen Jungtieren haben könnte.
· Sichere Aussagen über die Auswirkungen des Off-Road-Betriebs sind nicht zu treffen, da es keinerlei Erfahrungen in diesem Bereich gibt bzw. keine entsprechenden Untersuchungen bekannt sind.
· Pauschal von einer Verbesserung der Situation für die Gelbbauchunkenpopulation durch den Off-Road-Betrieb (wie er derzeit geplant ist) auszugehen, ist unseres Erachtens nicht belegbar.
· Eine weiträumige räumliche Trennung der Fahrbereiche und Ruhebereiche ist die Mindestanforderung, um das Überfahr-Risisko zu verringern.
· Aus dem gleichen Grund sollte die Fahrintensität in den Sommermonaten minimiert werden, was schwerlich umzusetzen sein wird; im Herbst und Winter könnte überall gefahren werden.
· Ein begleitendes Monitoring der Gelbbauchunken-Population ist daher unabdingbar. Es sollte jederzeit die Möglichkeit bestehen, die Auswirkungen des Fahrbetriebs auf die Gelbbauchunkenpopulation mit der bewährten populationsökologischen Methodik kontrollieren zu können. Eine Genehmigung sollte nur mit der Auflage erteilt werden, dass bei negativen Auswirkungen auf die Population (Populationsgröße und -zusammensetzung) und ihre Lebensräume die Off-Road-Nutzung entsprechend angepasst werden muss bzw. ganz untersagt werden kann.
· Auch muss beachtet werden, dass sich die zu erwartende Lärmbelästigung im Gegensatz zu dem für den Naturpark Hassberge bestimmenden naturverträglichen Tourismus befindet und die Verlärmung auch die Tierwelt und vor allem die Anwohner erheblich beeinträchtigen wird."
Der Bund Naturschutz ist heute parallel zu den Politikern in München vorstellig geworden, um aus seiner Sicht auf die richtige (staatliche) Entscheidung der Aufnahme des Areals in die Nationale Naturerbeliste hinzuweisen.
Parallel zu diesen Bemühungen wird der Bund Naturschutz bei der Regierung von Unterfranken einen Antrag auf Einleitung eines Unterschutzstellungsverfahrens nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz stellen, also die Ausweisung als Naturschutzgebiet beantragen.
Der Bund Naturschutz wird sich auch künftig dafür einsetzen, dass eine naturverträgliche Nutzung etabliert werden kann. Sowohl FFH als auch Naturerbe und Naturschutzgebiet erlauben auch weiterhin eine touristische Entwicklung mit breiter Palette. Eine Off-Road-Nutzung schließt nach unserem Verständnis jegliche andere Nutzungsform aus, da sie das gesamte Areal dominieren wird. Wir glauben, dass Ebern langfristig gut beraten sein wird seine bisherigen Qualitäten nicht aufs Spiel zu setzen.

Bund Naturschutz unterstützt die Stadt Ebern bei ihren Bemühungen für eine erfolgreiche Konversion, sieht sich aber in seiner Einschätzung bestätigt, dass die Naturschutzbelange nicht ausreichend berücksichtigt werden.Das Monatstreffen des Bundes Naturschutz in Ebern fand wie angekündigt im Anschluss an die öffentliche Stadtratssitzung zur Konversion der militärischen Liegenschaften (Kaserne und Standortübungsplatz) statt. Der Bund Naturschutz unterstrich dabei noch einmal seine grundsätzlich unterstützende Haltung hinsichtlich einer Erfolg versprechenden Konversion. So wurden die Planungen begrüßt 42 der 48 Kasernengebäude zu erhalten und zu nutzen sowie mehr als 150 Arbeitsplätze mittels eines Fahrsicherheitszentrums neu zu schaffen.Die Naturschützer waren sich aber ebenso einig, dass alle hinsichtlich der FFH-Verträglichkeit der Planungen geäußerten Bedenken auch weiterhin voll zutreffen. So wurde vor allem die Enttäuschung laut, dass aus dem ursprünglichen Planungsansatz Natur & Technik oder auch Technik & Natur nichts als Technik übrig geblieben sei. Die Natur des Übungsplatzes muss als Kulisse und Staffage herhalten für ein hundertprozentig auf motorisierte Landschaftsnutzung ausgelegtes Konzept.  Die aufgrund der Intervention des Bundes Naturschutz bereits angedeuteten Verbesserungen hinsichtlich Ersatzlaichgewässer und begleitendem Monitoring der Gelbbauchunke konnten auch bei den Ausführungen in der Stadtratssitzung in keiner Weise konkretisiert werden. Dagegen wurde das vom Bund Naturschutz als großräumiges Ausgleichsbiotop ins Auge gefasste Gelände südlich des Fahrschulgeländes in der Veranstaltung als völlig überplante Sandbahn dargestellt. Damit kann seitens der Planer auch kein Ausgleichsbiotop geeigneter Größe angeboten werden. Die Überplanung aller Freiflächen, wie sie in der Präsentation vorgestellt wurde, läuft dem Charakter des FFH-Schutzes durch die Europäische Union – dieser steht im Rang höher als ein Naturschutzgebiet – völlig entgegen. Es kann bis jetzt auch nicht ansatzweise erkannt werden, wie bei dieser Planung die Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden sollen. Der Bund Naturschutz sieht sich daher zunächst in seiner Haltung bestätigt. Er wird bei den anstehenden Beteiligungen auf die Notwendigkeit wesentlicher Verbesserungen hinzuweisen. Die vorgestellten Planungen können nur realisiert werden, wenn die Naturschutzbelange erheblich stärker berücksichtigt werden. Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. hat durch den Landesverband am Freitag den 21.07.2006 beim Verwaltungsgericht Würzburg Klage gegen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Off-Road-Nutzung des FFH-Gebietes durch den sog. Rotapark auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Ebern eingereicht.