30 Jahre AK Fledermaus

Aktive des Arbeitskreises mit den Ehrengästen
Vortrag Matthias Hammer
Vortrag Matthias Hammer

30 Jahre
Arbeitskreis
Fledermaus

des BUND Naturschutz Haßberge

Am 16.11.2018 feierten der Arbeitskreis Fledermaus Haßberge gemeinsam mit gut 60 Gästen in der Stadthalle Haßfurt sein 30-jähriges Bestehen. 1. Bürgermeister der Stadt Haßfurt Günther Werner hob in seinem Grußwort den ehrenamtlichen Einsatz der Fledermausschützer hervor, der in seiner Langjährigkeit seines Gleichen sucht. Bernd-Ulrich Rudolph dankte in Namen des Bayer. Landesamts für Umwelt den Mitgliedern des AK ebenfalls für ihren jahrzehntelangen Einsatz für den Fledermausschutz. Er stellte insbesondere die für Bayern einzigartigen Erkenntnisse beim Monitoring von Winterquartieren heraus. Als Anerkennung und mit einem herzlichen Dankeschön überreichte er dem Sprecher des AK, Harald Amon, die Plakette Fledermäuse Willkommen. Die Vertreter der unteren und höheren Naturschutzbehörden dankten dem AK Fledermaus für die langjährige vertrauensvolle und kompetente Kooperation, für die Betreuung und Beratung der Fledermausquartiere und ihrer Besitzer im Lkr. Haßberge. Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern zeigte in seinem Fachvortrag interessante Ergebnisse von Analysen der von den Ehrenamtlern über die Jahrzehnte gesammelten Daten und stellte seinerseits die Einzigartigkeit des Datenschatzes für die wissenschaftliche und naturschutzfachliche Arbeit im bayerischen Fledermausschutz heraus.
Der Arbeitskreis Fledermaus wurde am 11.03.1988 gegründet. Von Anfang an standen die Winterquartiere in den an Felsenkeller reichen Keuperlandschaften der Haßberge und des Steigerwalds im Vordergrund. Seit dieser Zeit werden jährlich bereits ab Ende November bis Mitte Januar bei fünf Exkursionen über 200 Felsenkeller, Kasematten, Schlosskeller und Stollensysteme auf überwinternde Fledermäuse kontrolliert. Aber auch der Erhalt und die Sanierung wichtiger unterirdischer Quartiere war stets ein Anliegen. Viele Keller wurden vom AK angepachtet und mit finanzieller Unterstützung der Naturschutzbehörden in Eigenleistung bisher 25 Keller wiederhergestellt. Vom Ersatz fehlender Türen, über das Aufhängen von Hangsteinen bis zum aufwändigen Wiederaufbau eingestürzter Kellergewölbe reichen die Aktivitäten im praktischen Artenschutz.
Die Betreuung und das Monitoring acht großer Mausohrwochenstuben (mit bis zu 1400 Individuen und insgesamt rund 5000 Wochenstubentieren) ist eine der Aufgaben im Sommer. Etliche Wochenstubenquartiere wurden mit finanzieller Unterstützung der Naturschutzbehörden mit Bretterböden ausgestattet und werden jährlich gereinigt. Im nördlichen Steigerwald betreuen Hermann Jäger und Anton Bäuerlein seit gut 20 Jahren über 500 Fledermauskästen. Die Kontrolldaten bilden die wichtigste Grundlage für das FFH-Monitoring im Steigerwald der Bayer. Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Im Sommer 2012 gelang den Aktiven einer der ersten sicheren Nachweise der Nymphenfledermaus in Bayern bei einem Netzfang im Universitätsforst Sailershausen bei Haßfurt. Seit einigen Jahren komplettiert Arthur Scholl das Serviceangebot mit der Versorgung und Pflege verletzter Fledermäuse.

Die Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der jährlichen Batnight und beim Tag der offenen Gartentür liegen den Fledermausschützern besonders am Herzen. Über den ganzen Landkreis verteilt stehen die Mitglieder als Ansprechpartner und Berater für Quartierbesitzer und Behörden für Fragen des Fledermausschutzes ihre Beratung und Hilfe zur Verfügung. So mancher Quartierbesitzer konnte schon nachhaltig für seine heimlichen Mitbewohner begeistert werden und wurde dafür mit der Plakette Fledermäuse Willkommen ausgezeichnet.

Bericht: Jürgen Thein

 

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Arbeitskreis (AK) Fledermaus

Eine zentrale Stellung nimmt der BN insbesondere auch im Bereich des Fledermausschutzes ein. Im „Arbeitskreis Fledermausschutz“ arbeiten alle ehrenamtlichen Fledermausschützer des Landkreises zusammen. Dessen Aufgaben im Jahreslauf sind vielfältig. Bereits zeitig im Frühjahr treffen sich die AK-Mitarbeiter zu einer ersten Besprechung der Jahresplanung. 

Nach Beendigung der Winterruhe der Fledermäuse im April beginnen meist die Arbeiten für die Renovierung eines oder mehrerer gefährdeten Felsenkeller irgendwo im Landkreis. Der BN pachtet seit Jahren sanierungsbedürftige Keller, die nachgewiesener Maßen von Fledermäusen als Winterquartier genutzt werden. Diese werden dann an ein zwei Wochenenden im Frühjahr mit vereinten Kräften wiederhergestellt. Oft muss nur eine neue, fledermausgerechte Tür angebracht werden, doch sind auch regelmäßig aufwändige Maurerarbeiten zur Sicherung der Gewölbe und der Eingangsgewände von Nöten. Da heißt es für alle Aktiven kräftig zuzupacken und die handwerklichen Fähigkeiten voll auszuspielen. Vor kurzem haben die Fledermausschützer ihr diesjähriges Projekt abgeschlossen. In Unterpreppach wurden zwei Keller für Feldermäuse gesichert. Glücklicherweise konnten die Quartiere rechtzeitig angepachtet werden, so dass noch keine aufwändigere Sanierung notwendig war. 

Zwei neue Türen und kleine Stabilisierungsarbeiten am Eingangsgewölbe waren ausreichend. Nun stehen die beiden Keller auch in den kommenden Jahren für das Braune Langohr, die Bechsteinfledermaus und die Mopsfledermaus als Winterquartier zur Verfügung.

Es stehen umfangreiche Kontrollen der Fledermausbestände auf dem jährlichen Arbeitsplan des Arbeitskreises. Im den Wäldern des Steigerwaldes und der Hassberge werden viele Hundert Fledermauskästen auf ihren Besatz mit den selten Tieren überprüft. Besonders der Nachweis von Fledermauswochenstuben macht den Naturschützern besondere Freude. In Wochenstuben treffen sich die weiblichen Fledermäuse, um ihre Jungen zu gebären und aufzuziehen. Die Ergebnisse der langjährigen Kastenkontrollen liefern wertvolle Hinweise über die Bestandsentwicklung der gefährdeten Tiergruppe und helfen notwendige Schutzmaßnahmen zu planen und umzusetzen. Im Verbreitungsatlas der Fledermäuse in Bayern ist das langjährige Wirken der BN-Artenschützer deutlich erkennbar. Für kaum ein anderen Landkreis liegen derart viele Informationen zu den Fledermausbeständen vor.

Neben den Wochenstuben im Wald gibt es glücklicherweise im Landkreis Hassberge noch mehrere Standorte mit individuenstarken Wochenstuben des Großen Mausohrs, einer unserer größten Fledermausarten in Deutschland. Diese Art bevorzugt allerdings die sommerwarmen Dachstühle großer Gebäude als Aufzuchtsplatz für die Jungtiere. Schlösser, Kirchen und ein altes Schulgebäude wurden in diesem Jahr wieder von gut 3000 Tieren bevölkert. Insgesamt sind die Bestände zur Freude der Fledermausschützer stabil. Die Wochenstubenzählungen finden stets in Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern des Landesamtes für Umwelt statt.

Im Herbst ist dann wieder der praktische Einsatz gefragt. Um den Bestand an Fledermauskästen in Schuss zu halten, sind aufwändige Reparaturarbeiten notwendig. Auch die Planung für die bevorstehenden Kontrollen der Winterquartiere muss rechtzeitig abgeschlossen werden.

Ab Ende November bis Mitte Januar sind die BN-Aktiven an insgesamt sechs Wochenenden im gesamten Landkreis Hassberge unterwegs, um die Fledermausbestände in den Winterquartieren zu kontrollieren. Einige Hundert Felsenkeller stehen jährlich auf dem Programm. Auch diese Daten liefern wertvolle Hinweise für den Schutz und den Erhalt der gefährdeten Tierarten.

Eine sehr wichtige Aufgabe ist die Versorgung verletzter Fledermäuse. Diese Aufgabe haben die Mitarbeiter der BN-Geschäftsstelle übernommen. Es bestehen Kontakte zu erfahrenen Tierärzten. Für alle Auskünfte und Hilfestellungen zum Fledermausschutz stehen die BN -Mitarbeiter und die AK-Mitglieder vor Ort ebenfalls jederzeit zur Verfügung. Kontakt erhält man über die BN-Geschäftsstelle.

 

 

 

Infos & Hilfe

Ansprechpartner für Fragen zu Fledermäusen und die Versorgung von Fundtieren sind:

Raum Ebern:                       Harald Amon,      09531/1737

Raum Hofheim:                 Arthur Scholl,       09525/1660

Raum Steigerwald:            Anton Bäuerlein, 09529/858

Ebelsbach/Eltmann:          Dietmar Will         09522/5933

 

Raum Maintal:
Ludwig Rehm, 09521/8242
Anton Schenk, 09521/5418
Jürgen Thein, 09521/952890

 

Jahrestagung 2016 Bayerischer Fledermausschützer

Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf mit allen Geehrten bei der Jahrestagung in München
Anton Bäuerlein, Dietmar Will und Harald Amon wurden für 25 Jahre Einsatz im Fledermausschutz geehrt
Teilnehmer des Arbeitskreises Fledermaus des BUND Naturschutz Haßberge bei der Jahrestagung in München

Bericht Neue Presse vom 16.03.2016

Ein Leben für die Fledermaus

Der Arbeitskreis Fledermaus Haßberge hat das ganze Jahr über ein volles Programm, um den Bestand der kleinen Säuger zu sichern. Drei Mitglieder erhalten nun für ein Vierteljahrhundert Einsatz eine Auszeichnung.

Von Tanja Kaufmann

Kreis Haßberge - Sie ist klein, lautlos und unauffällig - doch im Landkreis Haßberge hält sie Naturschützer ganz schön auf Trab. Der Fledermaus ist ein ganzer Arbeitskreis im BUND Naturschutz Kreisverband Haßberge gewidmet, dessen Mitglieder sich seit Jahrzehnten für den Schutz von Fledermäusen und ihren Lebensräumen im Landkreis einsetzen. Jährlich überprüfen sie im Winter an mehreren Wochenenden gut 200 Felsenkeller und andere unterirdische Quartiere auf überwinternde Fledermäuse. Dabei überwachen sie den Zustand der Keller, um rechtzeitig negative Entwicklungen bei den Fledermausbeständen und dem baulichen Zustand der Quartiere zu dokumentieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. "So wurden von den ehrenamtlichen Fledermausschützern in den letzten Jahrzehnten viele Felsenkeller teilweise in aufwändigen Arbeitseinsätzen saniert und so vor dem Verfall gerettet", berichtet Diplom-Biologe Jürgen Thein vom AK Fledermaus Haßberge.

Doch der Fledermausschutz ist ein Ganzjahresgeschäft. Im Sommer geht die Arbeit weiter, wie Thein erzählt: "Dann werden die Wochenstuben des Großen Mausohrs in Dachböden von Schlössern und Kirchen gezählt." In diesen Wochenstuben ziehen oft viele Hundert Fledermausweibchen gemeinsam ihre Jungen auf. Thein: "Diese Fortpflanzungsquartiere sind deshalb von zentraler Bedeutung für den Fledermausschutz und liegen dem AK Fledermaus besonders am Herzen." Regelmäßig würden die Quartierbesitzer bei der Reinigung der Dachböden unterstützt.

Auch im nördlichen Steigerwald betreuen die Ehrenamtler seit mehreren Jahrzehnten viele Hundert Fledermauskästen. Mehrmals jährlich werden die Fledermausvorkommen in den Kästen erfasst, die Kästen einmal im Jahr gereinigt und beschädigte Kästen repariert oder durch neue ersetzt. "Die Kästen dienen jedoch nicht nur der Überwachung der Fledermausbestände sondern sind im vielen Wäldern dringend als Ersatz für nicht im ausreichendem Maße vorhandene, natürliche Quartiere in Baumhöhlen und Rindenspalten", erklärt Jürgen Thein. Die nachhaltige Verbesserung des Angebots an natürlichen Quartieren durch den Erhalt alter Bäume liege den Fledermausschützern sehr am Herzen.

Für die Naturschutzbehörden und die Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern sind die Mitglieder des AK Fledermaus die fachlichen Ansprechpartner für alle Fragen zum Fledermausschutz im Landkreis Haßberge. Die Zählergebnisse der Bestandskontrollen gehen in die amtliche bayerische Artenschutzdatenbank des Landesamtes für Umwelt ein. Der bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft werden die Daten für die Managementplanung der FFH-Gebiete bereit gestellt. "Für den Verbreitungsatlas der Fledermäuse in Bayern bildeten die Erkenntnisse eine wichtige Grundlage", erklärt Jürgen Thein.

Die Mitarbeiter des Arbeitskreises stehen für Fragen zum Thema Fledermausschutz für die Öffentlichkeit zur Verfügung, ebenso ist ihr Rat bei Sanierungsprojekten an Gebäuden gefragt. "Wir freuen uns über alle Meldungen von Fledermausvorkommen", sagt Jürgen Thein stellvertretend für den AK Fledermaus. "Insbesondere an Gebäuden gibt es sicher noch viele unbekannte Quartiere." Die Hilfe für verletzte und hilflose Fledermäuse ist eine weitere wichtige Aufgabe, die die Fledermausschützer übernehmen. Sie bitten ebenfalls dringend, um die Meldung aller Fledermausfunde. Nur so sei gewährleistet, dass den Tieren schnell geholfen werden kann.

Am Wochenende 12./13. März 2016 fand die gesamtbayerische Jahrestagung der Fledermausschützer im Biozentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München statt. Anlass für das gemeinsame Treffen aller bayerischen Fledermausschützer war das 30-jährige Bestehen der Koordinationsstellen für Fledermausschutz in Erlangen und München. Der Arbeitskreis Fledermaus Haßberge war dabei ebenfalls mit einer starken Truppe vertreten. Neben interessanten Fachvorträgen, Neuigkeiten zum Fledermausschutz und dem Treffen alter Bekannter stand auch die Ehrung langjährig im Fledermausschutz aktiver Ehrenamtler durch die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf auf dem Programm: Vom AK FM Haßberge wurden Harald Amon, Anton Bäuerlein und Dietmar Will für mehr als 25 Jahre Einsatz im Fledermausschutz ausgezeichnet.